Montag, 27. Dezember 2010

Ringparabel, Interpretation





Der Sultan Saladin steckte in Geldnöten. Daraufhin forderte er Nathan auf, ihm die wahre Religion zu zeigen oder sein Geld herzugeben. Nathan erzählte ihm die Ringparabel, in welcher es darum geht, dass ein Vater einen kostbaren Ring besaß und diesen an einen seiner drei Söhne vererben wollte. Diese drei Söhne könnten symbolisch für die Anhänger der Weltreligionen Judentum, Christentum und Islam stehen. Da der Vater einen Streit in der Familie vermeiden wollte und sich außerdem nicht entscheiden konnte, ließ er den Ring dreimal nachfertigen, von denen jeder Sohn jeweils einen erhielt. Nach dem Tod des Vaters stritten sich die Söhne darum, wer den echten Ring besaß. Man ließ die Ringe prüfen, konnte jedoch keinen Unterschied feststellen. Die Ringe könnte man mit den drei Weltreligionen vergleichen.

In der Ringparabel wird erzählt, dass nur der echte Ring die Macht habe, seinen Besitzer vor Gott angenehm und beliebt zu machen. Da aber alle drei Söhne einen Ring besaßen, befanden sie sich alle in dem Glauben, sie seien somit bei Gott beliebt. Da ihre Ringe aber unecht waren, zeigt dies, dass nur der Glaube an eine Religion bzw. einen Gott wichtig ist und jeder auch ohne einen Ring von seinem Gott akzeptiert wird. Es geht nicht darum, welche Religion die beste ist, man soll einfach nur fest an das glauben, was man selbst für richtig hält, und die anderen gleichzeitig mit ihrem Glauben akzeptieren.


Nathan der Weise (Zusammenfassung)












Das Drama »Nathan der Weise« von Gotthold Ephraim Lessing aus dem Jahr 1779 spielt in der Zeit des Dritten Kreuzzuges während eines Waffenstillstandes in Jerusalem. Es handelt von dem jüdischen Kaufmann Nathan, der unbewusst alle drei Weltreligionen vereint und durch seine tolerante Weltanschauung als Nathan der Weise bezeichnet wird.


Nathan, ein reicher jüdischer Kaufmann, kommt von einer langen Geschäftsreise zurück. Zu Hause angekommen wird ihm erzählt, dass es in seiner Abwesenheit zu einem Brand in seinem Haus gekommen ist und seine Tochter Recha von einem christlichen Tempelherrn gerettet worden ist. Nathan erfährt, dass der Ordensritter sein Leben dem Sultan verdankt, der ihn als einzigen von zwanzig gefangenen Tempelherren begnadigt hat, weil dieser dem verschollenen Bruder des Sultans, Assad, ähnlich sieht.

Nathan möchte sich bei dem Tempelherrn für die Rettung seiner Tochter bedanken und schickt die christliche Erzieherin seiner Tochter, Daja, um diesen einzuladen. Allerdings lehnt der Tempelherr ab, da er mit Juden nicht verkehren möchte. Doch der jüdische Kaufmann gibt nicht so leicht auf. Der Tempelherr verhält sich Nathan gegenüber zunächst sehr abweisend, lässt sich dann jedoch mehr und mehr von der toleranten Art Nathans einnehmen.

In der Zwischenzeit denkt Sultan Saladin darüber nach wie er Frieden zwischen den Christen und Muslimen schaffen könnte. Er weiß jedoch, dass seine Kassen leer sind und er seinen Gegner nicht viel anzubieten hat, damit diese in den Frieden einwilligen. Da er einen Kreditgeber sucht, lässt er nach Nathan rufen. Dieser ist ganz erstaunt als der Sultan ihm plötzlich die Frage stellt, welche Religion er für die »wahre« halte. Nathan wittert eine Falle, denn er weiß, dass eine falsche Antwort ihn sein Leben kosten könnte. Deswegen greift er auf eine alte Geschichte, eine Ringparabel, zurück.

In dieser Geschichte geht es um eine Familie in deren Tradition ein Ring von Generation zu Generation an den Sohn weiter vererbt wird. Ein Vater, der jedoch drei Söhne hat, kann sich nicht entscheiden an welchen der Söhne er den Ring nun vererbt. Deswegen entscheidet er sich von dem Ring Duplikate anzufertigen und verteilt die Ringe anschließend an die Söhne. Nach dem Tod des Vaters kommt es zu einem Streit zwischen den Brüdern, welcher denn nun der echte Ring sei. Doch auch der Richter weigert sich ein Urteil zu sprechen und sagt, jeder soll seinen Ring als den »wahren« Ring ansehen, denn diese spiegeln die Liebe des Vaters wieder. So ist es auch mit den Religionen.


Der Sultan ist von Nathan und seiner Geschichte beeindruckt und bietet ihm seine Freundschaft an. Während Nathan beim Sultan ist, besucht der Tempelherr das Haus dessen, doch trifft er dort nur Recha und Daja an. Er merkt wie er sich in Recha verliebt und zieht sich schnell zurück.


Doch seine Liebe kann er nicht unterdrücken und er hält, trotz der verschiedenen Religionen, um Rechas Hand an. Nathan hält sich mit seiner Antwort jedoch zurück und erkundigt sich bei einem Klosterbruder nach der Herkunft des Tempelherrn. Heimlich trifft sich in der Zwischenzeit Daja mit dem Ordenritter und verrät ihm, dass Recha nicht die leibliche Tochter Nathans ist, sondern dessen Pflegetochter, christlicher Herkunft.

Es kommt zu einem Treffen zwischen dem Tempelherrn und Nathan im Palast des Sultans, bei welchem sich herausstellt, dass der Tempelherr und Recha Bruder und Schwester sind. Der Sultan Saladin vergewissert sich dessen durch einen Blick in das Abstammungsbuch, das Nathan von einem Klosterbruder erhalten hat, und stellt erstaunt fest, dass es sich bei dem leiblichen Vater von Recha und dem Tempelherrn um seinen verschollenen Bruder Assad handelt.


Es wird also deutlich, dass alle drei Religionen in einer Familie vertreten sind und somit miteinander unzertrennlich verbunden sind.


Samstag, 4. Dezember 2010

Gedichtinterpretation

Ballade von Chiara:

Ich sitze hier und merke bald,
das Leben ist sehr schwer.
ich zittere und habe kalt,
und weine immer mehr.

Am liebsten würd' ich jetzt zu dir,
doch leider geht das nicht.
denn du bist dort, und ich bin hier,
jeder im eignen Licht.

Es fehlen mir sehr deinen Blick,
und deine sanften Küsse.
warum kann man denn nicht zurück,
als du mich nanntest "Süsse".

Wenn ich in meinen Träumen schwimme,
und dich nicht sehen kann,
so fehlt mir auch 'mal deine Stimme,
weisst du noch wie's begann?

Von weitem hab' ich dich geseh'n,
du warst so wundervoll!
Und vor mir bliebst du plötzlich steh'n.
Ich fand dich richtig toll.

Ein Lächeln hast du mir geschenkt,
warst grad' in meinem Innern.
Dann habe ich den Blick gesenkt,
ich kann mich noch erinnern.

Es war so schön vor dir zu sein,
mein Herz schlug richtig schnell.
Romantisch war's im Sonnenschein,
die Sonne schien so hell.

Ich denk' ans Leben ohne dich,
und eine Träne fällt.
so bitter ist sie eigentlich,
die Liebe, die zerfällt.


Ich habe dieses Gedicht ausgewählt, weil es einen tiefgründigen Sinn hat. Es geht um eine Person, die sich von einer, ihr sehr wichtigen Person trennen musste.
Man kann es sehr gut lesen, ohne stocken zu müssen. Das liegt zudem auch daran, dass es ein jambisches Gedicht mit umarmenden Reimen ist. In jeder Strophe gibt es jeweils zwei Verse mit 4 Hebungen, und zwei mit 3 Hebungen.
Chiara hat mit eine sehr traurigen und beinahe auswegslosen Strophe begonnen. Sie beschreibt den momentanen Zustand des "Erzählers". In den nächsten Strophen löst sie dann auf, weshalb sich diese Person so fühlt. Man spürt aber keine Aggression aus dem Gedicht heraus, sondern eher reine Verzweiflung, weil es keine gemeinsame Zukunft mehr geben wird...

Samstag, 27. November 2010

Aufklärung

"Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit."
Mit diesem Satz beginnt der Text von Immanuel Kant. Aber was meint er genau damit?
Hier meine Interpretation...
Das Wort 'Unmündigkeit' bedeutet, dass man nicht fähig ist, selbstständig Entscheidungen zu treffen. In der Zeit vor der Aufklärung waren die Menschen also nichts anderes gewohnt, als einfach den Aussagen Anderer zu glauben, und nicht selbst darüber nachzudenken, oder sogar in Frage zu stellen. Deshalb sagt Kant auch, dass die Menschen selbstverschuldet waren, was die Unmündigkeit angeht. Denn es fehlte nicht an Mangel des Verstandes, sondern der Enschliessung und des Mutes. Der Wahlspruch der Aufklärung ist also: "Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!"

Faulheit und Feigheit waren also die Ursachen, warum ein so grosser Teil der Menschen ünmündig blieb. Zudem war es einfach viel bequemer die Anderen denken zu lassen. Man verbrauchte keine Kraft und Energie, wenn man alles so hinnahm wie es einem vorgeschrieben wurde. Viele hatten aber auch grosse Angst davor, sich zu äussern, vor allem die Frauen hielten sich zurück. Für diese Angst waren die Vormünder zuständig, also die die das Sagen hatten.

Was aber eher möglich, ja beinahe unausbleiblich ist, ist, dass ein Publikum sich selbst aufkläre. Denn unter einer grossen Menschenmenge wird es immer einige Selbstdenkende geben. Jedoch kann auch ein Publikum nur langsam zur Aufklärung gelangen, denn bei einer Revolution kommt nicht wahre Reform der Denkungsart, sondern neue Vorurteile zustande.

Das aufklärende Denken durfte jedoch nicht überall frei verwendet werde. Im privaten Bereich, das heisst wenn kein Publikum vorhanden war, durfte man seine eigene Meinung nicht einfach so präsentieren. Denn es hätte zu viele Probleme gegeben, wenn einfach jeder etwas auszusetzen gehabt hätte, zum Beispiel bei der Arbeit. Sinn machte es aber, das aufklärende Denken einem Publikum zu präsentieren.

Unterschied zwischen aufgeklärtem Zeitalter und Zeitalter der Aufklärung:
- aufgeklärtes Zeitalter = die Menschen sind schon aufgeklärt
- Zeitalter der Aufklärung = man ist noch mitten in der Aufklärung

Die Freiheit versuchte sich überall auszubreiten, selbst dort wo sie unerwünscht war.

Montag, 8. November 2010

Meine Liceo-Geschichte

Wie kam ich ans Liceo? Das ist eine tolle Frage, denn für mich persönlich grenzt das schon fast an ein Wunder. Da ich im Kanton St. Gallen wohne, kamen zu uns keine Liceo-Schüler in die Klasse um Werbung zu machen. Bei uns kennt man das Liceo Artistico so ziemlich gar nicht. Aber zum guten Glück gibt es ja Zeitungen, die ab und zu auch von Schulen berichten.
Als ich in der 5. Klasse war, zeigte mir meine Mutter einen Zeitungsausschnitt von jungen "Künstlern". Wir lasen den Artikel gemeinsam durch und waren beide sehr begeistert davon, da das Zeichnen schon immer ein wichtiger Teil meines Lebens war. Und als wir dann auch noch erfahren haben, dass Italienisch genauso wichtig ist für diese Schule, fand ich sie noch toller. Die Kombination von Italienisch und Kunst war die Mischung, die ich mir nur erträumen konnte. Meine Mutter sagte zu mir: "Das wäre doch was für dich Lia!"
Und so schnitt sie diesen Artikel aus und bewahrte ihn in einem Ordner auf. Als ich dann in der 2. Sek war und es für mich in Frage kam die Gymi-Prüfung zu machen, nahmen wird diesen Artikel wieder hervor. Wir erkundeten uns im Internet weiter und gingen dann an den Informationsabend, an dem Herr Fischer eine Präsentation hielt. Da ich das Liceo immer spannender fand, ging ich auch noch an die Besuchstage. Und ab diesem Tag war mir klar, dass das mein Ziel sein würde. Die Atmosphäre in der alten Villa erinnerte mich stark an Italien und dank ihrer Grösse wirkte sie für ein Gymi ziemlich familiär.

Ich mag mich noch gut an den Tag erinnern, als der Brief ankam, in dem das Resultat der Prüfung stand. Ich zitterte richtig als ich den Brief öffnete. Und als ich das Wort "Bestanden" sah, löste sich der ganze Druck in Freudentränen auf. Ich war einer der glücklichsten Menschen auf der Welt!

Heute kann ich nur sagen, dass ich noch immer sehr glücklich bin, es ins Liceo Artistico geschafft zu haben. Für mich ist es die perfekte Schule (trotz dem langen Schulweg ^^)!

Samstag, 11. September 2010

Aufsatz

18:30 Uhr. Die S-Bahn hält mit einem ohrenbetäubenden Quietschen auf Gleis 5 an... was für ein Tag! Am liebsten würde ich sofort in mein geliebtes Bett fallen und an nichts denken müssen. Nicht mal träumen möchte ich, einfach nichts. Eine unbeschwerte, federleichte Leere in mir.

Stattdessen sitze ich in der stickigen, überfüllten S40. Ich frage mich, weshalb mein Stundenplan genau so eingeteilt werden musste, damit ich auch bestimmt jeden Tag zu den beliebten Stosszeiten Zug fahren muss. Immerhin konnte ich mir noch in letzter Sekunde einen Platz ergattern.

Der Greis neben mir wiegt für seine mickrige Grösse bestimmt 50 Kilo zu viel. Auf jeden Fall nimmt er eineinhalb Sitze ein und quetscht mich somit an das, von Fingerabdrücken verschmierte, Fenster. Auf der anderen Seite sitzt ein weiterer Mann. Gute 50 Jahre trägt der bestimmt auch schon auf dem Buckel. Na ja, wenn ich ehrlich bin, hat er gar keinen Buckel, aber irgend etwas an ihm kommt mir höchst unsympathisch rüber. Vielleicht ist es ja der von - oben - herab - wirkende Blick der mich so stört, oder auch nur sein Schnauz, der perfekt zu seinem grauen Jackett passt. Direkt mir gegenüber sehe ich eine Frau mit einem farbigen Tuch um den Kopf gebunden. Es ist äusserst schwierig einzuschätzen, wie alt sie ist. Sie hat etwas sehr Zerbrechliches an sich und sieht körperlich geschwächt aus. Mein Blick fällt auf ihre Hände, die verkrampft und leicht zitternd eine Tasche umklammern. Um ihr Handgelenk trägt sie ein silbernes Armband, das mit den Initialen A. N. versehen ist. "Ach du meine Güte!", fast hätte ich laut aufgeschrien. Erst jetzt ist mir ihr dünnes Handgelenk selbst aufgefallen. Wie das Handgelenk meiner 6-jährigen Cousine Nora. Es ist mir höchst unangenehm, denn mein erschrockener Blick ist bestimmt auch ihr nicht entgangen. Ihre rosa gefärbten Lippen formen sich zu einem scheuen Lächeln. Sie ist nicht viel älter als ich, denn auch wenn ich ihre Haare nicht sehen kann, scheint mir ihr Gesicht noch sehr jung. Ihre tiefblauen Augen funkeln im Sonnenlicht, ähnlich wie das Meer, das die letzten Sonnenstrahlen reflektiert. Die feinen Gesichtszüge scheinen ihre innere Ruhe zu spiegeln...
Ich weiss nicht wie lange ich die junge Frau schon mustere, aber sie hat etwas an sich, das viele Fragen aufwirft. So viele Widersprüche!
"...karte sehen" ... "Tschuldigung junges Fräulein, dürfte ich bitte ihre Fahrkarte sehen?", ich schrecke aus meiner Träumerei auf. "Alter, musst du mich denn so erschrecken?!" Nein, das habe ich hoffentlich nicht laut gesagt, bitte bitte nicht... Seinem Gesichtsausdruck nach, waren es doch nur meine Gedanken, die ich für einen Moment lang nicht unter Kontrolle hatte. Mein Mundwerk ist zum Glück nicht ganz so Rekord - verdächtig was die Schnelligkeit angeht.
Der Kondukteur lächelt mich erwartungsvoll an: "Die Fahrkarte?". "Oh, ja klar", ich habe sie irgendwo in meiner riesengroßen Tasche, die ja beinahe nur einen halben Quadratmeter Durchmesser hat. Aber ich kenne meine Handtasche in- und auswendig, ein Handgriff und ich hab... Scheisse, wo ist mein GA?!
Nach einer halben Ewigkeit, es sind bestimmt schon vier Minuten und 20 Sekunden vergangen, gebe ich es langsam auf. Jetzt ist Spontanität angesagt Ellice. Eine mitleiderregende Ausrede könnte dich eventuell noch vor einer Busse retten: "Ich... ich kann meine Fahrkarte nicht finden. Ich bin mir so sicher, das GA eingesteckt zu haben heute morgen, und jetzt ist es einfach weg. Jemand muss mir das Portemonnaie geklaut haben, ich kann es mir nicht anders erklären." "Sie haben ein GA? Dann können sie mir bitte ihren Namen und ihre Adresse angeben?", fragt mich der Mann geduldig weiter. "Ich heiße Ellice... Ellice Carstens und wohne an der Lindenstrasse sieben." "Gut, danke. Wenn du dich in dieser Woche beim Bahnhof-Büro meldest, dann kommst du nochmals gut davon. Wünsche den Damen und Herren noch eine gemütliche Fahrt."
Super, ich muss diese Woche noch zur Bahn. Als hätte ich nichts Besseres zu tun!!!

Der Zug hält bereits zum dritten Mal. Die beiden Herren aus meinem Abteil machen sich davon. Zurück bleibe ich, und die Frau mit dem Kopftuch. Es ist eine merkwürdige Stimmung. Als hätten sich die Rollen getauscht, denn nun war ich diejenige die gemustert wurde.
Nach ein paar stillschweigenden Minuten überwinde ich mich endlich ein Gespräch zu starten: "Für was stehen die Initialen an deinem Armband eigentlich?" Mit einem überraschten Schmunzeln antwortet sie mir: "Die Initialen stehen für meinen Namen. "A" für Amalia und "N" für Nives." "Freut mich Amalia. Wie ich heiße, hast du bestimmt schon vorhin mitbekommen... Kommst du auch von der Schule?" Ein Zucken geht über ihr ganzes Gesicht, als würde es sie viel kosten, mir eine Antwort zu geben: "Es ist mir im Moment leider nicht möglich in die Schule zu gehen. Ich besuche eigentlich das Gymnasium, aber mein Leben besteht zu diesem Zeitpunkt fast ausschließlich aus Arztbesuchen, Therapien und Spitalaufenthalten. Vor einem halben Jahr hat man Krebs feststellen müssen. Es ist nicht einfach über diese Dinge zu sprechen..." Ich halte meinen Atem an und fühle mich beinahe gelähmt. Klar ich habe gesehen, dass sie abgemagert und kränklich aussieht. Aber wer hätte gleich an Krebs gedacht! Nun wird mir auch klar, weshalb sie ein Kopftuch trägt...
"Amalia, ich... ich weiss nicht was ich sagen soll. Ich..." Sie lächelt mir zu, als müsste sie mich fast trösten. "Du brauchst nichts zu sagen, wirklich. Mir ging es nicht anders, als ich davon erfuhr...

Alles begann damit, daß ich Mitte Juni eine Schwellung am Oberschenkel bemerkte; da ich keine Schmerzen hatte, dachte ich, es sei nichts weiter als eine kleine Zerrung vom Kegeln.

Doch als diese scheinbare Zerrung 2 Wochen später kein bisschen zurückgegangen war, war es höchste Zeit für mich, zum Hausarzt zu gehen. Mein Hausarzt untersuchte mich genauestens und schickte mich sicherheitshalber sofort ins Krankenhaus zum Röntgen.

Dort mussten wir (mein Vater und ich) erst einmal total lang warten, bis wir endlich aufgerufen wurden.

Der Professor tastete meine Schwellung genau ab, und noch bevor ich geröntgt wurde, diagnostizierte er einen Tumor, in den meisten Fällen bösartig, wie er sagte.

Ich war total geschockt, mir wurde schwarz vor Augen.

Er erzählte etwas über Operation und Therapie. Ich begriff nicht und wollte auch gar nicht begreifen.

Habe ich etwa Krebs, das kann doch nicht sein, Krebs bekommen doch nur alte Leute, und es geht mir doch gut.

Natürlich wusste ich, daß auch kleine Kinder Krebs bekommen können, aber ich doch nicht.

Damals wollte ich mich überhaupt nicht mit dieser Krankheit auseinandersetzen, denn für mich war völlig klar, daß ich kerngesund war.

So liefen das Aufklärungsgespräch und die einzelnen Untersuchungen wie in einem schlechten Film an mir vorbei.

Als ich das erste Mal auf die Kinder-Krebs-Station kam, war ich ziemlich geschockt, als ich die vielen haarlosen Kinder sah, doch auch da bildete ich mir ein, unmöglich dazuzugehören.

Nach der Biopsie dauerte es dann auch tatsächlich ziemlich lange, bis das Untersuchungsergebnis da war. Ganze 3 Wochen dauerte diese Unsicherheit an, ich lebte zwischen Angst und Hoffnung. Trotzdem versuchte ich ständig, diese Krankheit zu verdrängen, ich wollte nichts mehr wissen von dieser Krankenhauswelt, sondern so schnell wie möglich wieder ein ganz normales Leben führen.

Doch nach diesen 3 Wochen kam das niederschmetternde Ergebnis: Es war also doch bösartig. Eine Welt brach für mich zusammen.

Es wurde entschieden, ob man in meinem Fall zuerst operiert oder gleich mit der Chemotherapie beginnt.

Die Ärzte entschieden sich für die „Chemo", und es war mir recht, denn vor der Operation hatte ich ziemlich Angst, und ich dachte mir, daß die Therapie bestimmt nicht so schlimm ist. Doch gerade die erste Chemo war auch die schlimmste. Ich musste am laufenden Band kotzen, und die Haare gingen mir auch schon nach 10 Tagen aus.

Ich hatte schon ca. 10 kg abgenommen und konnte einfach nichts essen, deshalb drängte mich meine Familie dazu, vor allem meine Mutter nervte mich etwa jede Stunde mit Brei und Süppchen. Das hat eigentlich gar nichts gebracht, denn ich sträubte mich schon innerlich so gegen jegliche Nahrungsaufnahme, daß ich gleich schon wieder spucken musste.

Ca. einen Monat später wurde ich operiert. Natürlich hatte ich Angst vor der Operation, vor allem davor, wie weiträumig man operieren musste.

Doch als ich nach der Operation die Nachricht bekam, man sei auf beiden Seiten ins gesunde Gewebe gekommen, war ich total erleichtert. Ehrlich gesagt überlegte ich mir, wozu ich überhaupt noch Chemo machen sollte. Doch diese Entscheidung überließ man mir überhaupt nicht. Es war schrecklich für mich, wenn über meinen Körper entschieden wurde, ich fühlte mich irgendwie übergangen, obwohl ich natürlich schon wusste, daß diese Therapie für mich lebensnotwendig war. Nun habe ich das ganze jedoch mehr oder weniger akzeptiert. Es bringt so oder so nichts, wenn man sich dagegen sträubt.

Was mir während der Therapie sehr hilft, ist die Abwechslung, die ich vor allem in den Chemo-Pausen zu Hause habe, das heißt, Besuch von Freunden und Bekannten, mit denen ich ganz belanglos reden kann. Dabei bin ich immer froh, wenn mich meine Freunde wie einen ganz normalen Menschen behandeln und mich nicht mit Mitleidsmiene betrachten. Sehr hilfreich für mich sind Jugendliche, die in derselben Lage sind wie ich. Mit ihnen kann ich teilweise sehr gut über die Krankheit reden, und ich merke, nicht allein mit meinen Problemen zu sein.

Auch Gespräche mit Psychologen und Sozialarbeitern helfen mir, mich nun doch mit der Krankheit etwas auseinanderzusetzen.

Schlimm ist aber, daß ich durch meine Operation total auf meine Eltern angewiesen bin und auch schon im Rollstuhl sitzen musste. Überhaupt ist diese Unselbständigkeit furchtbar.

Traurig ist, daß sich viele Freunde, vor allem von meiner Klasse, total zurückgezogen haben.

Am meisten nerven mich neugierige, sensationsbedürftige Besucher, die alles haarklein wissen wollen und womöglich noch von ihren eigenen gesundheitlichen Problemen erzählen.

Auch Bekannte, die einem gesundheitliche Tipps geben wollen, nerven nicht nur mich, sondern auch meine Mutter.

Für meine Familie ist es oft schlimmer als für mich selbst. Sie sehen mich leiden und können rein gar nichts dagegen tun. Doch ich war bisher immer froh, wenn meine Mutter während der Chemo bei mir war. Auch wenn ich nur so vor mich hin döse, bin ich beruhigt, daß jemand bei mir ist."

Ich kann beim besten Willen die Tränen nicht mehr unterdrücken. Ich bin ihnen hilflos ausgeliefert. Wie um Himmels Willen kann es sein, dass ein so junges Mädchen ein solches Schicksal einfach hinnehmen muss. Als würde man eine aufgehende Knospe daran hindern wollen sich zu einer wunderschönen Blume zu entfalten. Ich kann es nicht verstehen, und ich will es gar nicht erst versuchen. Wie sagt man so schön "Alles hat seinen Grund", doch ich sehe hier weit und breit keinen Grund für das was Amalia durchstehen muss!
Da ich nicht im Stande bin irgend einen Ton von mir zu geben, fährt Amalia mit ihrer Geschichte fort: "Ellice, du musst wissen, ich habe keine Angst... nicht mehr. Ich werde kämpfen!", ihre Augen strahlten eine wahnsinnige Kraft aus. "Es tönt für dich bestimmt unglaubwürdig, aber als ich von der Krankheit erfahren hatte, träumte ich noch in dieser Nacht von meiner Grossmutter, die schon vor einigen Jahren von uns gegangen ist. Ich weiss nicht ob es ein Zeichen, oder nur eine Illusion von mir war, aber das kann mir eigentlich egal sein. Denn dieser Traum gab mir die Kraft um gegen die Krankheit zu kämpfen. Ihre warme Stimme sprach zu mir:


Es ist alles so seltsam, und dennoch glaubwürdig. Ich habe noch nie eine solche Persönlichkeit wie Amalia getroffen. Ich bewundere sie! Mir wird erst jetzt klar, was für ein Glück ich habe, einfach nur gesund zu sein. Mir war das noch nie so bewusst, wie in diesem Moment. Etwas in mir hat sich verändert...

Ist die Zeit nun schnell vergangen. Die zweitletzte Station, bevor ich aussteigen muss. In Gedanken versunken schaue ich aus dem Fenster. Wie leer die Perrons um diese Zeit sind.

"Amalia, ich bewundere dich wirklich und weiss, dass du es schaffen wirst! Aber darf ich dich noch etwas fragen... Wie kommt es, dass du mir so etwas Persönliches von dir anvertraut hast, obwohl wir uns erst in diesem Zug kennengelernt haben?"

Es kommt keine Antwort. Ich schaue wieder zu ihr und... der Sitz ist leer. Alleine bleibe ich zurück, im Abteil der S40.






Freitag, 3. September 2010

"Axolotl Roadkill"







Letzten Montag hatten wir die Aufgabe, Rezensionen von "Axolotl Roadkill" durchzulesen und zu überdenken. Wir sammelten in der Klasse möglichst viele Informationen und tauschten sie gegenseitig aus, damit wir dann eine Diskussion darüber führen konnten. Ich fand es spannend, die Meinungen der Klasse zu hören. Besonders, weil die Meinungsverschiedenheiten doch ziemlich gross waren.

Die Frage, ob Helene Hegemann nur eine "Kopiererin" ist, oder ob sie doch Talent gezeigt hat in "Axolotl Roadkill", konnten wir uns nicht wirklich beantworten. Die einen haben versucht Helene Hegemann in Schutz zu nehmen, da sie ja doch erst 17 Jahre alt ist, und sie so oder so eine grosse Arbeit geleistet hat (sei sie eine Kopiererin oder nicht). Sie sehen es zwar auch so, dass Helene vieles kopiert hat, aber die restlichen Seiten hat sie ja doch selber geschrieben, was für ihres Alter einfach nur erstaunlich ist.

Andere Leute aus der Klasse sehen das Alter nicht als Entschuldigung. Klar sie ist siebzehn und hat grossen Erfolg mit "ihrem" Buch. Sie musste viele Recherchen machen, um über gewisse Themen (u.a. Drogen) so genau Bescheid zu wissen. Helene hat bestimmt viel Zeit investiert, um ein so grossartiges und beliebtes Buch zu kreieren. Das Buch ist ein Erfolg, keine Frage. Aber kann man wirklich sagen, dass es von der 17-Jährigen geschrieben wurde?

Meiner Meinung nach, kann man die Frage leider nicht mit einem "Ja" beantworten. Anfangs war ich wirklich begeistert von der Schreibweise des Mädchens. Klar, die Ausdrucksweise ist ziemlich vulgär, aber die Satzbildungen und Wortzusammensetzungen sind äusserst originell und "anders". Hauptsächlich war es wirklich das Talent des Mädchens, das mich beeindruckte, und nicht das Thema. Und genau deshalb war ich schon fast etwas enttäuscht, als ich mehr über die Entstehung des Buches erfahren habe. Anscheinend stammen nicht alle Sätze der Geschichte nur aus den Fantasien der Autorin. Vieles hat sie auch von einem Blogger (Airen) übernommen. Ab und zu sogar wortwörtlich übernommen. Ich dachte anfangs, "naja, jeder Autor lässt sich von anderen Leuten inspirieren". Aber als ich dann einige Beispiele sah, wurde mir klar, dass genau die originellsten Ausdrücke nicht von Helene stammen, sondern von Airen. Zudem stimmt die Geschichte ihres Buches so ziemlich mit Airens Biografie überein. Das heisst, nicht mal die Handlung ist aus ihrer Fantasie entstanden... Und da musste ich schon sagen, dass das Buch nicht alleine von Helene geschrieben wurde.

Ich kann schlussendlich immer noch sagen, dass ich mehr oder weniger der gleichen Meinung bin, wie ich schon in der letzte Woche war. Da mich auch das Thema nicht wahnsinnig interessiert, werde ich das Buch sehr wahrscheinlich nicht zu Ende lesen.



Hier noch einige Beispiele von Helene und Airen:

Axolotl Roadkill, Seite 36:

“Ophelia steht auf dem Klodeckel, um drei Lines Speed auf der Trennwand zur Nachbartoilette zurechtzumachen.”

Wir vergleichen mit Strobo, Seite 146:

“…als sich das als zu kompliziert erweist, klettert Marc auf die Klobrille und macht die Lines an der Grenze zu Nachbartoilette zurecht.”

In Axolotl Roadkill auf Seite 52 spricht Helene Hegemann von “Technoplastizität”. Ein Begriff, den Airen auf Seite 118 seines Buches verwendete.

Axolotl Roadkill, Seite 72:

“Wir erfahren an dieser Stelle, dass ich nicht nur neben Edmonds Keyboard aus eloxiertem Aluminium gekotzt, sondern mich (gleichermaßen skrupellos) mit dem Argument »Scheiß Kapitalismus!« geweigert habe, ihm meine Schulden vom Vortag zurückzuzahlen.”

Bei Airen liest sich das auf Seite 123 so:

“Wie ich eben erfahre also angeblich mit dem Argument »Scheiß Kapitalismus!« geweigert zu bezahlen, neben die Bar gekotzt und paar Tische umgeschmissen.”

Axolotl Roadkill, Seite 74:

“Ich mache drei Schritte nach vorn und knalle rückwärts gegen irgendeinen sich im öffentlichen Raum befindlichen Werbeträger von Langnese. Ich drehe mich um und knalle rückwärts gegen einen grobporigen Typen in grünen Klamotten. Er [der Polizist] setzt mich in ein Taxi…”

Wir vergleichen mit Strobo, Seite 124:

“Ich steige aus, mache drei Schritte nach vorn und pralle rückwärts gegen die Bahn. Dann stehe ich auf, mache drei Schritte nach vorn und pralle rückwärts gegen die Bahn. Schließlich kommen zwei so grobporige Bahnbullen und verfrachten mich in ein Taxi.”